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Informationen zur MS

Übersicht

1. Multiple Sklerose - medizinische Informationen
2. Definition und Pathogenese
3. Ätiologie
4. Symptome der Multiplen Sklerose
5. Untersuchungen und Diagnostik
6. Behandlung der Multiplen Sklerose
7. Verlauf und Prognose
Abschließende Hinweise


1. Multiple Sklerose - medizinische Informationen

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine Entzündung des Zentralnervensystems, die verstreut an vielen Stellen (multiple=vielfach) auftreten kann. Durch die Entzündungen entstehen Narben, diese führen zu mehr oder weniger ausgeprägten Funktionsstörungen. Die dabei entstehenden Symptome sind: Bewegungsstörungen beim Gehen und Hantieren, stellenweiser Sensibilitätsverlust, Gleichgewichtsstörungen, schnelle Ermüdbarkeit, Mastdarm-, Blasenstörungen etc. Hinzu kommen oftmals Störungen des Sehvermögens sowie Behinderungen Sprechens.

Das Durchschnittsalter zu Beginn der Erkrankung liegt zwischen 20 und 40 Jahren. Der Verlauf der MS ist unvorhersehbar. Die Krankheit verläuft manchmal gleichmäßig fortschreitend (=progredient), meist aber in Schüben, die sich zu Beginn der Krankheit zeitweilig zurückbilden.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß es keinesfalls zwei MS-Betroffene gibt, die denselben Verlauf haben. MS-Patienten sind zu zwei Dritteln Frauen. Zu etwa 40 % sind MS-Betroffene auf Hilfsmittel wie Stützen, Rollstuhl etc. angewiesen. Rund 30-40% der MS-Betroffenen haben einen guten Verlauf: Patienten und Patientinnen können über viele Jahrzehnte hinweg ein ,,normales" Leben führen und berufstätig sein. Die Anzahl der MS-Betroffenen in der Bundesrepublik wird auf etwa 120.000 geschätzt. Die Ursache der MS ist medizinisch noch nicht geklärt.  


2. Definition und Pathogenese

Im klinischen Wörterbuch wird MS als "primär entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems mit herdförmiger Entmarkung" definiert. Die MS ist eine Erkrankung, die das Gehirn und das Rückenmark befällt. Das Gehirn ist wie eine Schaltzentrale, in der Signale zum Körper gesendet werden, die ihm sagen, was er tun soll. Im Zentralnervensystem gibt es über 20 Milliarden Nervenzellen, die untereinander durch eine noch viel größere Zahl von Leitungsbahnen verbunden sind. Jede einzelne besteht aus einem zentralen Teil, dem Achsenzylinder, der spiralig von einer feinen Membran, der Markscheide umwickelt ist. Die Struktur der Markscheide wird von einer Stützzelle, der Oligodendrogliazelle, produziert. Ein Hauptbestandteil der spiraligen Markscheide ist das Myelin. Wenn die Markscheiden durch einen Krankheitsprozeß zerstört werden, spricht man von einer Entmarkungskrankheit oder einer Demyelinisation. Im Anfangsstadium der MS kommt es zunächst in der Umgebung von zahlreichen winzigen Blutgefäßen des Zentralnervensystems zu einer förmlichen Aussaat von Entzündungsherden, die sich ausdehnen und zum Teil zu größeren Entmarkungsherden zusammenfließen. Die Markscheiden werden dabei zerstört (demyelinisiert). Da sich der entzündliche Prozeß im Gehirn (Encephalon) und im Rückenmark (Myelon) abspielt und da die Entzündungsherde zahlreich und verstreut sind (disseminiert), spricht man von einer "disseminierten Encephalomyelitis". Das Endstadium der meistens zahlreichen (multiplen) Entmarkungsherde sind Narben (Sklerose)=multiple Sklerose. Der Charakter der Störungen, welche durch die Entmarkungsherde entstehen, hängt von der Lokalisation der Entmarkungsherde im Zentralnervensystem ab.


3.Ätiologie

3.1. Einige medizinische Ätiologiemodelle
3.1.1 Autoimmuntheorie
3.1.2 Slow-Virus-Hypothese
3.1.3 Genetische Faktoren
3.1.4 Stoffwechseltheorie
3.1.5 Epidemiologie - Umweltfaktoren

3.2 Psychosomatische Theorien
3.2.1 Psychoanalytische Konzepte
3.2.2 Streß als Krankheitsursache
3.2.3 Theorie einer MS-spezifischen Persönlichkeit

Trotz intensiver Forschung ist bis heute letztlich die Ursache der MS noch nicht gefunden. Es gibt zahlreiche Theorien und Hypothesen über die Ursachen, Beweise fehlen aber noch immer. In der BRD sind ca. 120 Tsd. Menschen an MS erkrankt. Damit ist die MS eine die häufigste entzündliche neurologische Erkrankung in der BRD. Es gibt keine Hinweise, daß die MS erblich oder ansteckend ist. Dennoch geht man von einer Summe von Faktoren aus, die einen Menschen anfällig für die MS machen (multifaktorielle Ursachen).

3.1. Einige medizinische Ätiologiemodelle

3.1.1 Autoimmuntheorie
Für eine starke Beteiligung des Immunsystems bei MS sprechen eine Vielzahl von immunologischen Befunden. Die meisten Autoren, die sich mit dieser Frage beschäftigen, gehen zur Zeit davon aus, daß die Störung bei MS in der T-Zellpopulation liegt. Möglicherweise haben die T-Helfer- oder die T-Suppressor-Zellen des Immunsystems der Betroffenen einen Defekt.

3.1.2 Slow-Virus-Hypothese
MS wird schon lange aufgrund der entzündlichen Herde mit Infektionen in Verbindung gebracht. Die Hypothese besteht darin, daß ein Virus bereits in der Kindheit in den Bereich des Nervengewebes gelangt und dort nach jahrelanger Regungslosigkeit, eine chronische Abwehrreaktion auslöst. Womöglich unterdrückt das Virus auf Dauer die T-Suppressor-Zellen. Gegen die Slow-Virus-Hypothese spricht allerdings, daß es auch Kleinkinder mit der Erkrankung an MS gibt. Lange Zeit war dies von Neurologen ausgeschlossen worden, dennoch erkranken ca. 0,3 bis 2% der MS-Betroffenen vor dem 15. Lebensjahr an MS. 1985 begann unter der Leitung von Prof. BAUER in Göttingen eine Studie zur MS bei Kindern. Bis Ende 1991 wurden 20 Kinder untersucht, von denen im Januar 1992 bei 10 die Diagnose MS gesichert war, bei weiteren 7 Kindern galt sie als wahrscheinlich. Besonders der jüngste MS-Betroffene widerlegt mit seinem Erkrankungsalter von gerade drei Jahren die langjährige Latenzzeit bei der Slow-Virus-Hypothese.

3.1.3 Genetische Faktoren
In Familienstudien zeigte sich ein erhöhtes Krankheitsrisiko für die Familienangehörigen der MS-Betroffenen. Die Verteilung des erhöhten Risikos für die verschiedenen Verwandtschaftsgerade ist aber für Erbkrankheiten im engeren Sinne untypisch. Ein gemeinsamer Umweltfaktor kann daher ebenfalls vermutet werden (das höchste Risiko haben die Geschwister der Betroffenen, 20-fach, gefolgt von den Eltern, 12-fach, den eigenen Kindern, 10-fach, und anderen Verwandten, 8-fach). In den Zwillingsstudien weisen höhere Konkordanzraten bei eineiigen Zwillingen auf eine genetisch mitdeterminierte Immunpathologie hin.

Die Konkordanzrate bei eineiigen Zwillingen beträgt für die manifeste MS-Erkrankung 25%. Bei zweieiigen Zwillingen liegt sie dagegen nur bei 2% und entspricht damit dem allgemeinen Erkrankungsrisiko von Geschwistern. Die Empfänglichkeit für MS ist signifikant assoziiert mit dem HLA-DR2-Allel. Bis zu 70% der MS-Betroffenen weisen diesen HLA-Typ auf, im Gegensatz zur gesunden Bevölkerung mit nur 25%. Dennoch spricht vieles dafür, daß die MS nicht unbedingt durch Erbfaktoren begünstigt wird, sondern durch gemeinsame MS-begünstigende Umweltfaktoren für Familienangehörige in der Kindheit.

3.1.4 Stoffwechseltheorie
Diese Theorie besagt, daß ein angeborener Fehler beim Einbau der ungesättigten Fettsäuren in das Myelin MS verursachen könnte.

3.1.5 Epidemiologie - Umweltfaktoren
Die Prävalenzrate von MS zeigt eine interessante geographische Verteilung. Auf der Nordhalbkugel sinkt die Prävalenzrate von Norden nach Süden ab, auf der Südhalbkugel gibt es ein Süd-Nord-Gefälle. Es gibt einige Völker, bei denen MS überhaupt nicht vorkommt (z.B. die Bantu). In den USA erkranken im selben Wohnort Schwarze und Orientale sehr viel seltener als Menschen nordeuropäischer Herkunft. Emigrationsstudien aus Israel zeigen, daß das Erkrankungsrisiko des Gastlandes bei einer Emigration vor dem 15. Lebensjahr erworben wird. Nach dem 15. Lebensjahr bleibt das Risiko des Herkunftlandes erhalten. Nach einer intensiven Suche nach Umweltfaktoren scheint hier eine Slow-Virus-Infektion oder Sensibilisierung vor dem 15. Lebensjahr die beste Erklärung dieser Befunde.

Einige Wissenschaftler halten es für gesichert, daß es einen pathogenetisch relevanten Faktor gibt, der in einer kritischen Phase vor der Pubertät wirksam wird. Die Kindheit wird als "window of susceptibilty" bezeichnet. Interessant sind zu diesen epidemiologischen Ergebnissen die Interpretationen anderer Wissenschaftler, die entweder auf die mit der Prävalenzratenverteilung einhergehenden kulturellen Unterschiede hinweisen (besonders das Unterdrücken von Gefühlen), oder die Hypothese aufstellen, daß gesellschaftliche Normen, wie sie der Sittenkodex tradierter protestantischer Religionsformen prägen, ein wesentliches Element der Pathogenese bei MS darstellen könnten.

3.2 Psychosomatische Theorien

In der Psychosomatik wird schon immer die in der Medizin übliche Trennung von Leib und Seele kritisiert, da diese den Menschen auf eine "defekten Maschine" reduziert. Die enge Verbindung von neuronalen, neuroendokrinen und hormonalen Systemen spricht für eine enge Verbindung von Zentralnervensystem (und somit der Psyche) und dem Körper.

3.2.1 Psychoanalytische Konzepte
Hierzu gehört die Theorie der Konversionsneurose nach FREUD, die besagt, daß der Körper ins Unbewußte verdrängte Triebe symbolisch zum Ausdruck bringt (="unbewußt willkürlich"). ALEXANDER (1965) spricht von einer vegetativen Neurose, die sich dem willkürlichen Ausdruck entzieht. Für Alexander ist die vegetative Neurose ein Adaptionsversuch der vegetativen Organe an anhaltende oder immer wiederkehrende emotionale Zustände, wobei spezifische Emotionen spezifische Organfunktionen beeinflussen.
ENGEL und SCHMALE (1967) glaubten, einen "Giving up - given up - Komplex" , einen Affekt der Hilf- und Hoffnungslosigkeit, vor Ausbruch einer Erkrankung gefunden zu haben, wobei eine bestimmte Vulnerabilität das Organ "auswählt". 

3.2.2 Streß als Krankheitsursache
LAZARUS (1981) bezeichnet mit Streß den Anpassungsmechanismus zwischen einer Person und den Umweltanforderungen. Bei andauerndem Streß, vorhandener Organvulnerabilität oder anderen hinzukommenden Umständen kann es leicht zum Ausbruch einer Erkrankung kommen. Nach ROGERS (1979) erhöht Streß die Vulnerabilität für Krankheiten, indem er eine immunsuppressive Wirkung ausübt. In vielen Untersuchungen hat sich gezeigt, daß große Veränderungen der Lebensumstände mit einem erhöhten Krankheitsrisiko einhergeht. Daß das Immunsystem durch verschiedenste Stressoren beeinflußt wird, gilt als bewiesen. Die genauen Zusammenhänge müssen durch weitere Untersuchungen geklärt werden. SENDLER (1993) kommt nach einer Auswertung von vier kontrollierten Gruppenstudien zur Frage "Streß vor MS-Ausbruch-Schub" aus den letzten elf Jahren zu dem Ergebnis, daß im überwiegenden Teil emotional belastende Erlebnisse dem Ausbruch/Schub vorausgingen.

3.2.3 Theorie einer MS-spezifischen Persönlichkeit
Bereits CHARCOT (1874), der erstmals die "Herdsklerose" erwähnte und daher als der "Entdecker" der MS gilt, unternahm den Versuch, die prämorbide Persönlichkeitsstruktur von MS-Betroffenen zu umschreiben. Seither hat es viele Untersuchungen zu einer MS-spezifischen Persönlichkeitsstruktur gegeben, deren Ergebnisse zum Teil für, zum Teil gegen eine solche Struktur sprechen. Die MS-Persönlichkeit zeichnet sich je nach Autor durch folgende Kriterien aus: Sexuelle Unreife, Abhängigkeit von einem Elternteil, Defizite bei Aggression und im Selbstwertgefühl, verringerte Durchsetzungsfähigkeit und Lebenstüchtigkeit, wenig eigene Identität, wenige Emotionen und Passivität.
Besonders PAULLEY (1976/77), der sich auf seine 30jährige Erfahrung mit 300 MS-Betroffenen beruft, ging von der Annahme aus, daß prädisponierende Merkmale in Persönlichkeits- und Charakterstruktur psychische
Streßsymptome bewirken und auf Ausbruch und Verlauf der Erkrankung maßgeblichen Einfluß ausüben. Charles M. POSER (1980) dagegen hebt hervor, daß bei der Entstehung von Erkrankungen des Zentralnervensystems zwischen ätiologischen (ursächlichen und begründenden) und prezipitierenden (auslösenden und verstärkenden) Faktoren unterschieden werden muß. Trauma und Streß sieht er eher als prezipitierende Faktoren bei der MS an, sowohl bei Ausbruch wie auch für deren Verlauf.
Letztendlich betont SENDLER (1993), daß die Ergebnisse der Untersuchungen jeweils von der gewählten Untersuchungsmethode abhängen. Zudem weist er dauf hin, daß alle Untersuchungen retrospektiv waren, und somit die jeweils gefundenen Eigenschaften der MS-Betroffenen auch krankheitsbedingt sein können.


4. Symptome der Multiplen Sklerose

4.1. Augensymptome
4.2. Symptome durch Befall des Hirnstammes
4.3. Symptome durch Befall des Kleinhirns
4.4. Symptome durch Befall des Rückenmarks
4.5. Psychische Beeinträchtigungen
4.6. Schmerzen bei Multipler Sklerose

Die Symptome können je nach dem Ort des Befalls im Gehirn oder Rückenmark sehr unterschiedlich sein. Sie können bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger ausgeprägt sein, anhalten oder bleiben, sich aber auch völlig oder nur teilweise wieder zurückbilden. Die alten Symptome können immer wieder auftreten. Es können neue hinzukommen, dann spricht man von "Schub". Wenn sie sich zurückbilden, spricht man von "Remission".


4.1. Augensymptome

Bei ungefähr 40% aller MS-Betroffenen kommt es zu einer Entzündung eines Sehnervs (Optikusneuritis), sie sehen verschwommen oder erleiden einen Verlust an Sehschärfe. Es kann auch zu Lähmungen der Augenmuskeln kommen (Augenmuskelparesen), dabei sehen die Betroffenen Doppelbilder.

4.2. Symptome durch Befall des Hirnstammes

Wenn die Nervenfasern des Hirnstammes von der MS befallen werden, die unter anderem die Berührungsempfindlichkeit des Gesichtes gewährleisten, so kann es zu heftigen Schmerzattacken des Gesichtes kommen (Trigeminusneuralgie). Bei Befall der Nerven, die die Gesichtsmuskulatur versorgen, kann eine Gesichtslähmung auftreten (Fazialisparese). Schwindel und Brechreiz entstehen, wenn die Nervenbahnen beschädigt werden, die die Verbindung zum Gleichgewichtsorgan herstellen. Herde im Hirnstamm können weiterhin zu einer verwaschenen Sprache führen.

4.3. Symptome durch Befall des Kleinhirns

Werden Nervenfasern im Kleinhirn oder seinen Verbindungsbahnen von der MS befallen, so treten "Koordinationsstörungen" auf. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, gezielte Bewegungen auszuführen. Das Zittern (Tremor) kann geplante Bewegungen ganz unmöglich machen. Dies kann auch zu Unsicherheiten beim Sitzen, Stehen oder Gehen führen (Rumpf-, Stand- oder Gangataxie). Eine weitere Störung ist eine Sprechstörung, die Unfähigkeit flüssig zu sprechen. Die Sprache wirkt oft abgesetzt (skandierend).

4.4. Symptome durch Befall des Rückenmarks

Bei Befall des Rückenmarks können grundsätzlich zwei verschiedene Störungen auftreten. Auf der einen Seite kann es zu Störungen der Gefühlswahrnehmung kommen (sensorische Störungen), sei es in Form von "Kribbeln", oft als "Ameisenlaufen" beschrieben, oder in Form von Taubheitsgefühlen, die dann als Schwere-, Kälte-, Gürtel-, Spannungs- oder Druckgefühl beschrieben werden. Gelegentlich treten auch schmerzhafte Mißempfindungen auf. Auf der anderen Seite kommt es zu Störungen von seiten der Muskeln (motorische Störungen). Die Muskeln können schwach und schlaff werden, aber auch angespannt (spastisch), so daß bestimmte Bewegungen nicht mehr oder nur unter größter Anstrengung möglich sind. Weitere Beschwerden sind Blasen- und Mastdarmstörungen. Harnträufeln und Harndrang oder vollständige Verlust über die Kontrolle der Harnblase oder des Darms, dies sind sicherlich die Beschwerden, die zu den größten sozialen Beeinträchtigungen führen. Durch Spastiken, Inkontinenz oder Gefühlsstörungen kommt es bei vielen MS-Betroffenen auch zu sexuellen Störungen, die sich in Verlust der Libido, der Orgasmusfähigkeit oder der Potenz äußern können.

4.5. Psychische Beeinträchtigungen

Verschiedene psychische Veränderungen durch die Erkrankung an MS sind möglich, treten aber durchaus nicht bei allen MS-Betroffenen auf. Viele Betroffene klagen auch über rasche Ermüdbarkeit und vorzeitige Erschöpfung. Leistungen und Arbeiten, die früher ohne Schwierigkeiten ausgeführt werden konnten, erfordern nach der Erkrankung mehr Kraft. Dies kann zu Unzufriedenheit und Frustration führen, und damit u.U. in Verzweiflung und Depression münden. In jüngerer Vergangenheit betonen MS-ForscherInnen, daß das weitverbreitete Klischee nicht zutrifft, charakteristische Störungen bei MS seien Euphorie, Abnahme der Kritikfähigkeit und eine gewisse Distanzlosigkeit. Sie betonen, daß es besonders zu Beginn der Erkrankung zu depressiven Zuständen kommen kann, die meist Folge von Schwierigkeiten in Beruf und in zwischenmenschlichen Beziehungen sind. Diese Schwierigkeiten sind auf Körperbehinderungen und auf die Angst hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Erkrankung zurückzuführen.

Selten und meist in späteren Krankheitsstadien treten auch hirnorganische Veränderungen auf, die wiederum Drepressionen auslösen können. Wichtig ist aber auch zu betonen, daß viele MS-Betroffene sich psychisch nicht beeinträchtigt fühlen, weil sie entweder durch die MS nicht wesentlich beeinträchtigt sind oder trotz Behinderungen durch die Auseinandersetzung mit dieser Erkrankung gelernt haben, mit den Beeinträchtigungen und Einschränkungen zu leben.

4.6. Schmerzen bei Multipler Sklerose

Bei MS-Betroffenen können Schmerzen unterschiedlichster Art auftreten, wie bei allen anderen Menschen auch. Daneben gibt es aber oft auch Schmerzen, die durch die Folgeerkrankungen bei MS bedingt sind, z.B. bei Harnwegsentzündungen, vermehrter Muskelanspannung oder Gelenkversteifung. Noch wenig berücksichtigt sind die Schmerzen, die direkt durch die MS bedingt sind, z.B. Mißempfindungen wie Brennen, Kältegefühle oder "elektrische" Gefühle bei Beugung des Kopfes. Diese Schmerzen sind nur schwer oder gar nicht behandelbar.


5. Untersuchungen und Diagnostik

5.1. Die klinische Untersuchung
5.2. Die Nervenwasseruntersuchung
5.3. Computertomogramm und Kernspintomographie
5.4. Evozierte Potentiale

Vorab muß gesagt werden, daß es keine sichere Untersuchungsmethode gibt, die eine MS beweist oder ausschließt. Die Diagnose kann immer nur gestellt werden, wenn mehrere Befunde zusammenpassen, einerseits die klinischen Symptome und der Verlauf (Schübe und Remissionen), andererseits die Befunde der Ersatzuntersuchungen. Da die Diagnostik mit besonderen Problemen verbunden ist, vergehen oft mehrere Jahre bis zur endgültigen Diagnosestellung. Der Zeitraum zwischen Auftreten der ersten Symptome und der Diagnosestellung beträgt durchschnittlich 3,6 Jahre.

5.1. Die klinische Untersuchung

Zur klinischen Untersuchung gehören je nach den Beschwerden der Betroffenen z.B. die Augenuntersuchung und besonders die genaue neurologische Untersuchung zur Überprüfung der Berührungsempfindlichkeit, des Gleichgewichts, der Koordinationsstörung, der Muskellähmung, des Muskeltonus, der Reflexe usw.. Die klinische Untersuchung ist sowohl in akuten Schüben als auch in schubfreien Zeiten als sogenannte "Kontrolluntersuchung" notwendig.

5.2. Die Nervenwasseruntersuchung

Die Nervenwasseruntersuchung (Lumbalpunktion) ermöglicht die Feststellung eines entzündlichen Prozesses im Gehirn. Bestimmte Eiweißkörper sind dann im Liquor nachweisbar (bei 90% der Betroffenen). Ferner kann bei MS die Liquorzellzahl erhöht sein. Diese Untersuchung ist für die Betroffenen z.T. sehr unangenehm, da öfter Übelkeit und Kopfschmerzen auftreten können, und im Anschluß an die Untersuchung für mehrere Stunden strikte Bettruhe einzuhalten ist.

5.3. Computertomogramm und Kernspintomographie

Die Computertomographie ist eine spezielle Röntgenuntersuchung, bei der Gehirnstrukturen dargestellt werden und eventuell entsprechende Veränderungen am Gehirn sichtbar werden. Diese Untersuchung dient in erster Linie dem Ausschluß anderer Hirnerkrankungen. Wesentlich genauer können Gehirnveränderungen mit dem "Kernmagnetresonanzverfahren" (abgekürzt NMR, MTR oder auch "Kernspintomogramm" genannt) festgestellt werden. Diese Untersuchung ist nicht nur genauer, sondern verhindert auch eine Strahlenbelastung der Betroffenen; leider ist sie auch teurer als die Computertomographie. Hierbei können die für MS charakteristischen Entmarkungsherde im Gehirn und im Rückenmark nachgewiesen werden.

5.4. Evozierte Potentiale

Die Reizleitung der Nerven wird durch Elektroden, die in der Kopfhaut angebracht sind, und durch optische, akustische oder elektrische Reize untersucht. So können Schädigungen durch die MS anhand von Verzögerungen der Reaktionen festgestellt werden.


6. Behandlung der Multiplen Sklerose

In der schulmedizinischen Behandlung der MS überschlagen sich Erfolgs- und Misserfolgsmeldungen, die sich auf Wirkung des einen oder anderen Medikaments beziehen. Wir sind nicht in der Lage und es ist auch nicht unser vordringliches Interesse, diese Seiten ständig auf dem aktuellen Stand bezüglich der schulmedizinischen Entwicklungen zu halten. Wenn Sie zu diesem Komplex mehr wissen möchten, können Sie sich an die Deutsche Multtiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) wenden (DMSG).

Wer sich über natürliche MS-Therapien informieren möchte, dem sei die Homepage der Buchautorin Christine Wagner-Thiele empfohlen: www.ms-alternativen.de

Sowohl über konventionelle schulmedizinische als auch über alternative Behandlungsmethoden informiert die Initiative Selbsthilfe Multiple Sklerose Kranker (M.S.K.) e.V. www.multiple-sklerose-e-v.de



7. Verlauf und Prognose

Oft wird die MS gleichgesetzt mit einem Schicksal im Rollstuhl; eine Veränderung dieser Vorurteile gelingt kaum. Dabei verläuft die MS nach heutigem Stand des Wissens in ca. 30 - 40% der Fälle gutartig. Der Verlauf einer MS ist grundsätzlich ungewiß, bestimmte Formen und Beschwerden lassen aber auf günstige Verläufe schließen. Bei ungefähr 40% aller Betroffenen verläuft die MS in Schüben, und die Symptome bilden sich wieder zurück. Diese Verlaufsform, die auch primär-schubförmig gennant wird (VF I), hat eine günstigere Prognose als eine anfangs in Schüben verlaufende MS, die dann in einen progredienten Verlauf mündet (ohne weitere Schübe sich permanent verschlechternd); diese Form wird schubförmig-chronisch-progredient genannt (VF II). Am ungünstigsten ist der Verlauf, wenn die Erkrankung von Anfang an ohne Schübe langsam fortschreitet, d.h. ohne Phasen von Remissionen (Rückbildungen). Diese Form wird chronisch-progredient genannt (VF III). Etwa 10 -15% der Betroffenen haben diese Verlaufsform. Die Lebenserwartung der MS-Betroffenen ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, besonders da die Komplikationen besser behandelt werden können. Interessant ist vielleicht auch, daß es Fälle gibt, in denen die Erkrankung nach Jahren vollständig zum Stillstand gekommen ist.




Abschließende Hinweise:

Die Abschnitte 1. - 4. und 7. dieser Information zur MS wurden durch Bettina André erarbeitet, der Abschnitte 5. und 6. durch Dr. Sigrid Arnade.

Bitte beachten Sie auch unsere ausführliche Literaturliste zur Psychosomatik der MS!

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